Dorfgeschichte

Ida Kramer, Posamenterin

Ida-Kramer
Ida Kramer, Copyright und Bildquelle: Theater ex/ex

Anhand der fiktiven Figur der Ida Kramer, Posamenterin und Arbeiterin in der Arlesheimer Schappe Spinnerei, lässt das Theater ex/ex die Geschichte der Industrialisierung aufleben. Das Theaterstück feierte letztes Jahr Première und wird nun wieder auf dem Areal des ehemaligen Walzwerks in Münchenstein aufgeführt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts standen in den Baselbieter Häusern rund 4'700 Webstühle an denen bis zu 10'000 Menschen arbeiteten. Die Familien mieteten den Webstuhl von Fabrikanten. 16 bis 18 Stunden am Tag stellten Frauen, Männer und Kinder gemeinsam Seidenbänder für die Fabrikanten aus Basel her. Um 1830 entseht mit der Schappe Spinnerei in Arlesheim die erste Fabrik im noch jungen Kanton Baselland. Nach und nach wird die Heimarbeit der Seidenbandweber, der Posamenter, abgelöst durch die Arbeit in der Schappe-Fabrik, wo der die Seidenkokons zusammenhaltende Seidenleim ausgekocht wird um daraus Schappegarn zu produzieren. Während fast 150 Jahren hatte die Schappe einen wichtigen Teil der Geschichte Arlesheims gebildet. 1977 wurde die Fabrik geschlossen.

Ida Kramer arbeitet schon als Kind im Elternhaus als Posamenterin bei der Herstellung von Seidenbändern mit. Später findet sie Arbeit in der Arlesheimer Schappe Spinnerei. Schon bald beginnt sich Ida Kramer gegen die Zustände in der Fabrik zu wehren und setzt sich für das vom Bund 1877 verabschiedete eidgenössische Fabrikgesetz ein, das wesentliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen vorsah: maximal 11 Stunden Arbeit pro Tag, Haftpflicht der Unternehmer für Unfälle und Berufskrankheiten, Arbeitsverbot bis acht Wochen nach der Geburt eines Kindes und Verbot der Kinderarbeit waren die Eckpfeiler des Fabrikgesetzes, gegen welches die Unternehmer das Referendum ergriffen. Die Theaterfigur Ida Kramer erlebt die Errungenschaften des neuen Gesetzes nicht mehr, sie wird von ihrem Vorgesetzten umgebracht, weil sie ihm auf die Schliche kommt, dass er seit Jahren Geld unterschlägt, das für eine Notfallkasse zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorgesehen gewesen wäre. Die ehemalige Arlesheimer Schappe Spinnerei wich einer Überbauung; Ida Kramer geistert daher im Münchenstein, auf dem Areal der ehemaligen Aluminiumfabrik herum und lässt die Industriegeschichte aufleben. Quelle


Wäre da nicht Ida Kramer … Geschichten von Patrons und anderen Working Class Heroes. Wiederaufnahme des Stückes im ehemaligen Walzwerk in Münchenstein. Rund um die fiktive Figur der Ida Kramer erhalten Zuschauerinnen und Zuschauer Einblick in die historischen Arbeitswelten aus drei Jahrhunderten.

Vorstellungsdaten: ab 7. August 2008 bis 31. August 2008 jeweils donnerstags bis sonntags.
  • Siehe auch: SCHAPPE. Die erste Fabrik im Baselbiet. Ein Porträt. Katalog zur Ausstellung in der Trotte Arlesheim vom 12.3. bis 27.6.1993

Volkshochschule Zürich: Kurs über Arlesheim

Arlesheim1

Die Volkshochschule Zürich bietet im Rahmen der Reihe Kulturorte Schweiz eine Veranstaltung über Arlesheim an. Der Kurs wird von Dr. Felix Ackermann geleitet und findet am 18. und 25. September (je eine Doppellektion) sowie am 27. September 2008 statt (Exkursion nach Arlesheim, Besuch des Doms, Hörprobe Silbermannorgel und Besuch der Eremitage).

Der "Gaissenprozess" oder Schlägerei im Rössli in Arlesheim

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Weidende Ziegengeiss, Quelle
© Foto: Roland Zumbühl, picswiss, Arlesheim

Kurz vor der Trennung des Kantons Basel, 1833, war die Stimmung gereizt. Zeugnis davon ist eine überlieferte Schlägerei im Gasthaus Rössli in Arlesheim am 28. März 1833. Und das kam so:

Einige Bürger von Arlesheim hatten ein Ziegenweidrecht in den Waldungen beansprucht, die Conrad von Andlau, Schlossherr auf Birseck, gehörten. Es kam zum Prozess vor Bezirksgericht. Dieses befand sich in einem Dilemma: den Arlesheimern konnte es nicht Recht geben, wagte jedoch auch nicht, ihnen Unrecht zu geben. Dies führte zu einer ungebührlichen Verzögerung des Prozesses.

Nachdem am 28. März 1833 eine Sitzung wieder ergebnislos verlaufen war, drangen der Rössliwirt, ein gewisser Herr Dornacher, und ein Dr. Kaus mit einigen Burschen mit Farrenschwänzen bewaffnet in den Gerichtssaal und trieben die Richter hinaus, worauf die Sturmglocke ertönte. Der zusammengerottete Pöbel - so bechreibt Isaac Iselin die Ereignisse in seinen Notizen zum Schloss- und Hofgut Birseck - verprügelte den Gerichtspräsidenten Hügin und feierte dann im Rössli seinen Sieg.

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Gasthaus Rössli, Arlesheim

Um Mitternacht erschien jedoch der Bezirksverwalter mit hundert Bewaffneten, besetzte die Kirche, um das Sturmläuten zu verhindern, drang ins Wirtshaus, nahm den Wirt, Dr. Kaus und drei andere Burschen in Haft und liess sie nach Liestal abführen. Durch dieses energische Eingreifen wurde der Aufruhr unterdrückt.

Den sogenantnen "Gaissenprozess" gewann Andlau erst vier Jahre später, am 27. Mai 1837 vor Obergericht in Liestal.

Nachzulesen in:
  • Dr. Isaac A. Iselin, Notizen zum Schloss- und Hofgut Birseck, Basel 1955

Arlesheims Flurnamen erzählen Geschichte(n)

Arlesheim-Flurnamen

Flurnamen sind nicht nur von sprachgeschichtlicher Bedeutung, sondern lassen den Alltag früherer Generationen aufleben und geben so Einblick in die Ortsgeschichte. Der Arlesheimer Dorflehrer August Sumpf veröffentlichte 1958 eine Sammlung von Flurnamendeutungen. Die Stiftung Flurnamen erarbeitete nun im Auftrag der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung ein weiteres Werk über die Arlesheimer Flurnamen, das die Sammlung Sumpfs erweitert, ergänzt und teilweise korrigiert.
Kernstück dieses Büchleins ist der alphabetisch geordnete Lexikon-Teil mit Artikeln zu allen lebenden Flur- und Strassennamen. Sie enthalten Schreibweise, mundartliche Lautung, grammatisches Geschlecht, Lokalisierung, Geländebeschrieb und Deutung in Kurzsatzform. In der Mitte des Büchleins gibt ein Plan Aufschluss über die Lage der Flurnamen.

Flurnamen-Forschungsteam
Das Baselbieter Flurnamen-Forschungsteam: Dr. Markus Ramseier (Leiter), Dr. Béatrice Wiggenhauser und lic. phil. Daniel Krieg (von links)

"Spektakuläres ist im Falle Arlesheim allerdings nicht zu erwarten", - schreibt der Leiter der baselbieter Forschungsstelle Markus Ramseier auf Anfrage des Wanderers - "da Sumpf die Flurnamen ja gewissenhaft aufgearbeitet hat und uns in den Büchlein nicht viel Raum für vertiefende Ergänzungen zur Verfügung steht. Das ist auch der Grund, dass Arlesheim so spät an der Reihe ist. Die eine oder andere "Korrektur" nehmen wir natürlich schon vor. Ebenso bieten wir Gewähr für eine übersichtliche Darstellung und eine auf Anhieb verständliche Sprache."

So erfahren wir im neuen Arlesheimer Flurnamenbuch beispielsweise, dass der Bärenbrunnenweg nichts mit Bären zu tun hat, sondern dass aus dem ursprünglichen Wort Fenn (Sumpf, Moor), Venne, und dann benne entstand, dass dann, weil es nicht mehr verstanden wurde, zum Bären wurde. Andere Flurnamen haben eine neue Deutung erfahren; so wird Zinn (Zinnhagweg) nun - anders als bei Sumpf - nicht mehr auf das althochdeutsche dinc und das mittelhochdeutsche ting (Gerichtsplatz) zurückgeführt, sondern auf Zun (Zaun). Zinnhag bedeutet somit Land bei der Umzäunung am Lebhag .

"Wirklich neue Erkenntnisse wird es im abschliessenden zehnbändigen kantonalen Namenbuch geben, wo auch die abgegangenen Namen gedeutet werden, die in den Ortsmonographien fehlen und mehr als zwei Drittel des gesamten Namenbestands ausmachen", ergänzt Markus Ramseier auf Anfrage.

Die seit 2003 veröffentlichten Ortsmonographien mit ihren Kurzdeutungen der in den Gemeinden noch gebräuchlichen 17'000 Namen sind ein publizistischer Zwischenschritt. Ende 2007 werden für alle 86 baselbieter Gemeinden die Ortsmonographien vorliegen.

Endziel der Arbeit der Forschungsstelle wird das Baselbieter Namenbuch sein, das von 2008 bis 2015 entstehen soll. In diesem zehnbändigen Gesamtwerk werden die etwa 50'000 lebenden und abgegangenen Orts- und Flurnamen des Kantons Basel-Landschaft auf insgesamt rund 6'000 Seiten systematisch dokumentiert und gedeutet.

Vorgesehen ist zudem eine Präsentation des gesamten Materials auf dem Internet – also auch jener Teile, die aus Platzgründen nicht in Baselbieter Namenbuch übernommen werden können wie die umfassenden historischen Belegreihen.

Am letzten Sonntag im Oktober anno 1581

Am letzten Oktobersonntag des Jahres 1581, am 29. Oktober, leitete Bischof Jacob Christoph Blarer von Wartensee mit einer katholischen Messe, die er in der Arlesheimer Odilienkirche las, die Gegenreformation im Birseck ein.

Mit der Wahl von Blarer von Wartensee zum Bischof im Jahre 1575 wurde ein Aussenseiter Bischof des Fürstbistums Basel. In jener Zeit drang die Reformation immer weiter vor und die Zahl derer, die sich vom katholischen Glauben abwandten und den protestantischen Glauben annahmen, wuchs. Dies war nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein weltliches Problem, war der Bischof doch gleichzeitig auch Landesfürst. Es war zu befürchten, dass sich die protestantischen Gebiete Birseck und Laufental immer mehr auch in politischer Hinsicht Basel zuwenden würden.

Bischof-Blarer-von-Wartensee
Bischof Blarer von Wartensee

Auch in Arlesheim - Arlisheim, wie es damals noch hiess - war protestantisch geprägt und die Arlesheimer Odilienkirche wurde von Protestanten genutzt. Für die Ernennung der Seelsorger der Odilienkirche war - wie in allen ihm unterstellten protestantischen Gemeinden - der Bischof zuständig. In der Regel wurden die von Basel vorgeschlagenen Pfarrer eingesetzt. So hätte Bischof Blarer 1579 in Arlesheim einen Pfarrer ernennen sollen, was er jedoch nicht tat. So betreute der Pfeffinger Pfarrer Jacob Langhans interimistisch auch die Arlesheimerinnen und Arlesheimer.
Am Samstag, den 28. Oktober 1581, reiste der Bischof mit seinem Gefolge und 18 Pferden zu seinem Bruder, der als Vogt auf Schloss Birseck amtete. Er befahl, alle Einwohner hätten sich am Sonntag um acht Uhr für eine Ansprache des Landesherrn vor der Kirche zu versammeln. Der Bischof feierte nun vor den versammleten Arlesheimerinnen und Arlesheimern in der Odilienkirche die Messe und der evangelische Pfarrer Langhans konnte erst im Anschluss daran seinen Gottesdienst halten. Diese in einer von Protestanten genutzten Kirche gelesene katholische Messe wurde von den Zeitgenossen als ungewöhnlicher Akt von grosser symbolischer Bedeutung für die Rekatholisierung des Birseck gewertet.

In der darauf folgenden Zeit wurde die Odilienkirche als sogenanntes Simultaneum von beiden Religionen genutzt.

Es ist davon auszugehen, dass die Lesung der katholischen Messe in der Arlesheimer Odilienkirche durch Bischof Blarer knapp hundert Jahre später Bischof Johann Conrad von Roggenbach mit beeinflusste, das Domkapitel in Arlesheim anzusiedeln und darauf zu drängen, dass der noch nicht ganz fertig erstellte Dom genau hundert Jahre nach Bischof Blarers Messe in der Odilienkirche ebenfalls am letzten Oktobersonntag geweiht wurde.
Quellen:
  • Arlesheim als Residenz des Basler Domkapitels, Begleitpublikation zur Ausstellung im Ortsmuseum Trotte, Arlesheim, 1999
  • Felix Ackermann, Bischof Jacob Christoph Blarer von Wartensee und die Wahl Arlesheims als Residenzort des Basler Domkapitels, Arlesheim, 2001

In memoriam Hans-Rudolf Heyer

Hans-Rudolf-Heyer1
Quelle Bild

Am 13. Oktober 2007 verstarb in seinem 71. Lebensjahr der ehemalige erste Denkmalpfleger des Kantons Baselland, Hans-Rudolf Heyer. 28 Jahre lang - von 1969 bis 1997 - war der Binninger promovierte Kunsthistoriker im Amt und machte sich verdient für die Aufnahme vieler historischer Bauten ins kantonale Denkmalverzeichnis.

So sind in Arlesheim der Dom und die ehemaligen Domherrenhäuser, die Eremitage und Schloss Birseck, Burg Reichenstein, die reformierte Kirche, das Hofgut Ränggersmatt in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen worden (die vollständige Liste der rund 20 Arlesheimer Objekte ist hier zu finden).

Mit Leidenschaft und Elan setzte er sich für die Erhaltung alter Bausubstanz und den fachgerechten Umgang mit derselben ein und erreichte die Unterschutzstellung von über 600 Objekten im Kanton Baselland. Seine zahlreichen Publikationen geben Einblick in historische und kunsthistorische Zeugen vergangener Zeiten.

Arlesheims Kulturgeschichte hat er nicht nur in der Reihe "Kunstdenkmäler des Kantons-Basellandschaft" (Der Bezirk Arlesheim, 1969) ausführlich beschrieben und gewürdigt, sondern auch in mehreren Veröffentlichungen zu Eremitage, Dom und der reformierten Kirche.

In ihrer Printausgabe vom 20. Oktober 2007 widmet die Basler Zeitung dem Verstorbenen einen Nachruf.

Von Arlesheim in die USA auswandern

Ellis-Island1
Ellis Island ist eine New York vorgelagerte Insel, die nach dem früheren Besitzer, Samuel Ellis, benannt wurde.

Ellis Island war von 1892 bis 1954 Anlaufstelle für etwa 12 Millionen Einwanderer, welche in der dritten Klasse per Schiff die Vereinigten Staaten erreichten. Passagiere der ersten und zweiten Klasse - vermögende oder bekannte Leute - kamen nicht über Ellis Island an Land, sondern nach einer kurzen Visitation direkt nach Manhattan.

Dass diese Einwanderungsbehörde auf Ellis Island überhaupt errichtet worden ist, ist eine Folge der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit der Amerikaner am Ende des 19. Jahrhunderts. Zuvor war es jedem Staat selber überlassen worden, wie er mit den Einwanderern umgehen wollte. Da ging es anfangs auch noch nicht um so immense Zahlen. Man begann überhaupt erst 1820, die Einwanderer zu zählen. Zwischen 1820 und 1830 kamen lediglich 152.000 Immigranten ins Land, also 15.000 pro Jahr. Das sollte sich später grundlegend ändern. In dem Jahrzehnt 1840 bis 1850 stieg die Zahl auf 1,7 Mio.
Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an schlug die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung den Einwanderern gegenüber um. Man befürchtete eine ‚Überfremdung’, es traten die so genannten Nativisten auf, die eine Beschränkung der Einwandererzahlen forderten. Jetzt kam es auch zu den ersten Ausschreitungen, sogar zu Morden an Immigranten.

Ellis-Island
Einwanderer auf Ellis Island auf dem Weg zur Überprüfung.

Und unter diesem wachsenden öffentlichen Druck sah sich die Regierung gezwungen, die Einwandererfrage zentral zu regeln und einer strengen Kontrolle zu unterwerfen. Um 1890 wurde ein Gesetz erlassen, das die Überprüfung der Einwanderer verlangte. Diese Überprüfung erfolgte für Passagiere der zweiten und dritten Klasse auf Ellis Island. Zwischen 1892 und 1954 kamen ungefähr 12 Millionen Einwanderer auf Ellis Island an.

1924 wurde ein Gesetz erlassen, das eine Quotenregelung für Einwanderer vorsah. Die Zahl der Einwanderer eines Landes wurde auf 2% der gemäss der Volkszählung von 1890 bereits in den USA lebenden Landsleute limitiert. Damit begann der langsame Verfall von Ellis Island. 1932 war die Zahl der abgewiesenen Antragsteller zum ersten Mal grösser als die der Zugelassenen. 1954 wurde die Büros der Einwanderungsbehörden auf Ellis Island geschlossen.

Ellis Island: Quelle
Immigration Act of 1924: Quelle

Unter den Immigrantinnen und Immigranten, welche auf Ellis Island ankamen, waren auch 30 Arlesheimerinnen und Arlesheimer. Die erste Person aus Arlesheim, welche von den Behörden auf Ellis Island registriert wurde, war die 49-jährige Witwe Augustine Vogel.

La-Touraine-Passagierschiff
La Touraine

Von LeHavre herkommend traf Augustine Vogel am 12. Juli 1902 mit dem Passagierschiff La Touraine auf Ellis Island ein. Mit einer Barschaft von 100 Dollar machte sie sich auf den Weg nach Waterloo im Staat Iowa (Quelle). Danach verlieren sich ihre Spuren.

Es ist bekannt, dass die Überfahrt extrem gefährlich und belastend war. Angeblich sollen zehn Prozent aller Reisenden bereits während der Überfahrt gestorben sein, weil sie in völlig unzureichenden hygienischen Verhältnissen in Räumen von 1½ Metern Höhe zusammengepfercht wurden. Hier konnten sich ansteckende Krankheiten besonders schnell verbreiten.

Die swissroots Database enthält die Namen aller Immigrantinnen und Immigranten, die zwischen 1892 und 1924 via den Hafen von New York und und die Immigration Station von Ellis Island in die Vereinigten Staaten von Amerika einwanderten. Die gesamte Liste enthält über 110'000 Namen.

Aus Arlesheim waren dies:
1. Baumgartner Johann, Arlesheim, 1904
2. Ditzler Johann (27), Arlesheim, 1906
3. Dornacher Dphonte (11), Arlesheim, 1912
4. Dornacher Emilie (34), Arlesheim, 1912
5. Ebner Clara (20), Arlesheim, 1902
6. Erb Heinrich (19), Arlesheim, 1920
7. Glinz Paul (25), Arlesheim, 1905
8. Guldimann Emma (28), Arlesheim Germany/Arlesheim CH, 1909
9. Heller Louise (36), Arlesheim, 1915
10. Hercod Ernest (44), Arlesheim, 1922
11. Kaufmann Anna (17), Arlesheim, 1921
12. Kraus Pauline (1), Arlesheim, 1902
13. Kraus Pauline (24), Arlesheim, 1902
14. Loew Werner (23), Arlesheim, 1916
15. Mohn Henry (53), Arlesheim, 1921
16. Müller Martha (17), Arlesheim, 1922
17. Neuscheler Johann.Leopold.Othmar (38), Arlesheim, 1923
18. Neuscheler Maria.E. Othmar (6), Arlesheim, 1923
19. Neuscheler Mechlilde.J.Othmar (3), Arlesheim, 1923
20. Oeschger Hermann (19), Arlesheim, 1921
21. Portmann Margareth (22), Arlesheim, 1902
22. Roggero Rosa (23), Arlesheim, 1916
23. Sauer Josef (17), Arlesheim, 1903
24. Stebler Fanny (29), Arlesheim/Zullwil, 1920
25. Stebler Robert (24), Arlesheim/Zullwil, 1920
26. Stöcklin Emil (29), Arlesheim, 1905
27. Strübi Paul (27), Arlesheim, 1902
28. Vogel Augustine (49), Arlesheim, 1902
29. Widmer Fri... (25), Arlesheim, 1922
30. Widmer Wilhelm.Friedrich (25), Arlesheim, 1922

Zu verkaufen: Hausrat aus dem Andlauerhof

Andlauerhof-Arlesheim
Der Andlauerhof, Hoffassade

Der Andlauerhof am Andlauerweg 15 steht wahrscheinlich an der Stelle, an welcher der ehemalige Dinghof stand, der im 13. Jahrhundert vom Bischof der Familie Reich von Reichenstein übergeben wurde(Ding ist auf Thing, Gericht, zurückzuführen: am Dinghof Arlisheim hielt der Landesfürst Gericht - eine frühere Besitzerin des Dinghofs war Odilia von Hohenburg, geb. 660, gest. 720, deren Statue, eine spätgotische Plastik, im Dom in einer Seitenkapelle steht). Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ging der Hof an Johann Wilhelm Reutner von Weyl über, den bischöflichen Hofmeister. Dieser erbaute den Hof um 1616 neu. Der zweite Besitzer war Johann Conrad von Flachsland und der Hof erhielt den Namen "Flachsländisch Schlösslin". In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelangte der Hof an die Familie von Roggenbach. 1743 erwarb ihn der Domdekan Anton Münch von Münchenstein und baute ihn vollständig in ein Barockpalais mit Hauskapelle, Flügelanbau im Osten und Treppenhaus anstelle des Treppenturms um. Für wenige Jahre gelangte der Andlauerhof in den Besitz eines Herrn von Goullon und dessen Gemahlin, einer geborenen von Löwenburg, über.

Andlauerhof-Arlesheim-Gartenfassade
Andlauerhof, Gartenfassade

1762/1763 kaufte der Landvogt der Herrschaft Birseck, Franz Carl von Andlau, den Herrschaftssitz und verlegte den Landvogteisitz vom baufälligen Schloss Birseck in den Andlauerhof. Parallel zum Hauptbau entstand auf der Südseite ein niederer Pavillon.
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Franz Carl von Andlau (Abbildung aus: Iselin, Isaac, Notizen zum Schloss- und Hofgut Birseck)

Balbina-von-Andlau-Arlesheim
Balbina von Andlau (Abbildung aus: s.o.)

Die Gattin von Andlaus, Balbina, eine geborene von Staal, verwandelte in Zusammenarbeit mit ihrem Vetter, dem Domherrn Heinrich von Ligertz das Gebiet um den Schlosshügel in einen englischen Landschaftsgarten - die Eremitage.

Heinrich-von-Ligerz-Domherr-Arlesheim
Heinrich von Ligertz (Abbildung aus: s.o.)

Vom Andlauerhof aus verwaltete der Sohn des Landvogts, Freiherr Conrad von Andlau als Generalgouverneur der Alliierten ab 1814 das Bistum Basel bis zu dessen Auflösung 1815. Er erwarb noch weitere Liegenschaften in Arlesheim, so kaufte er auch das Schloss Birseck zurück und stellte die - durch die Landbevölkerung und anschliessend durch die Franzosen zerstörte - Eremitage wieder her. Conrad von Andlau veränderte den Hof innen und aussen im Stil des Empire.

Andlauerhof-Arlesheim-Empirezimmer
Empirezimmer mit Illusionsmalereien, um 1808

Nach weiteren Besitzerwechseln kam der Andlauerhof 1846 ins Eigentum von Johann Siegmund Alioth. Dieser verbrachte jedoch jeweils nur die Sommermonate in Arlesheim, im Winter wohnte er in Basel.

Die heutigen Besitzerinnen und Nachfahren der Familie Alioth, Balbina Buser-Iselin, und Catherine Küpfer-Iselin, verkaufen am Samstag, 10. März und am Sonntag, 11. März (10 bis 17 Uhr) Hausrat, der sich im Laufe der Generationen angesammelt hat und nicht mehr gebraucht wird. Der Erlös geht vollumfänglich zugunsten der Stiftung Ermitage und Schloss Birseck.


Quellen:
  • Hans-Rudolf Heyer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft, Band I, Der Bezirk Arlesheim, Basel, 1969
  • Isaac Iselin, Notizen zum Schloss- und Hofgut Birseck, Basel, 1955

Sütterlin lesen

Suetterlin-Heimatkunde-Neuauflage

Die vom "Domfreund" neu aufgelegte Heimatkunde Arlesheims von Georg Sütterlin, Dekan und Ehrendomherr (1826 - 1907) kann nun im Internet bestellt bzw. entgeltlich heruntergeladen werden.

Neuauflage der Arleser Heimatkunde von Sütterlin

Suetterlin-Arlesheim
Dekan und Ehrendomherr Georg Sütterlin, geb. 5.4.1826 in Schönenbuch, gest. 11.6.1907 in Arlesheim

Suetterlin-Heimatkunde-ArlesheimDer Betreiber der privaten Arleser Domseite hat die 1907 erschienene Heimatkunde des Dorfes und der Pfarrei Arlesheim, verfasst von Georg Sütterlin, Pfarrer, Dekan und Ehrendomherr, neu aufgelegt. Das Werk wurde aus der alten deutschen Schrift in unsere Schrift transscribiert und so für alle lesbar gemacht, die der alten deutschen Schrift nicht mächtig sind. Die Neuauflage kann hier bestellt werden.

Foto © Der Dom zu Arlesheim

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