Eremitage

Führungen durch die Eremitage mit Vanja Hug

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Die Arlesheimer Eremitage: Blick auf den mittleren Weiher. Im Vordergrund die Wiese, auf der 1787 das Châlet des Alpes erbaut wurde (Standort: Foto linke Seite). Während der Französischen Revolution zerstört, wurde es nicht wieder aufgebaut.

Auf vielfachen Wunsch hat sich Vanja Hug, Autorin von Die Eremitage in Arlesheim. Ein Englisch-Chinesischer Landschaftsgarten der Spätaufklärung.
entschlossen, im Oktober 2009 jeweils an zwei Samstagen durch die Arlesheimer Eremitage zu führen: am 3. und 10. Oktober 2009 ist um 14.30 Uhr Besammlung auf dem Domplatz in Arlesheim. Die Führung dauert bis ca. 17 Uhr, maximal 17.30 Uhr.

Die Teilnehmenden werden gebeten, sich schriftlich (Hermann Suter-Strasse 9, 4053 Basel), per Mail (vanja.hug at bluewin.ch) oder telefonisch (061 271 97 00) bei Frau Dr. Vanja Hug anzumelden. Maximale Teilnehmerzahl: 20 Personen.

Weitere Führungen von Frau Dr. Vanja Hug voraussichtlich im März 2010.

Interview mit Vanja Hug

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Die Felsformationen aus Jurakalk wirkten auf den Besucher des 18. Jahrhunderts "chinesisch"; bizarr geformte Felsen gelten in der Chinesischen Gartenanlage als Sinnbild der Berge. In der neueren Literatur (Heyer) wird die Eremitage aufgrund der speziellen Topografie und geologischen Beschaffenheit dem Typus der "Felsengärten" zugeordnet.

Vanja-HugDie Verfasserin des umfangreichen wissenschafltichen Werkes über die Eremitage, Frau Dr. Vanja Hug, hat dem Wanderer Fragen zur Eremitage beantwortet:

Bildquelle


Wanderer von Arlesheim: Ihr Werk „Die Eremitage in Arlesheim“ trägt den Untertitel „Ein Englisch-Chinesischer Landschaftsgarten der Spätaufklärung“. Können Sie ein Beispiel auf dem Rundgang nennen, das dem Besucher den chinesischen Einfluss bzw. die chinesische Gartenidee besonders deutlich illustriert?

Vanja Hug: Ganz einfach: Die bizarren, asymmetrischen Felsen aus Jurakalk. Diese wirkten in den Augen der Besucher des 18. Jahrhunderts „chinesisch“. Das „Chinesische“ musste also bei der Eremitage gar nicht erschaffen werden, sondern sie war schon von Natur aus „chinesisch“. Siehe dazu Kapitel 4.2.8., Seiten 185 – 186 in meinem Buch.

Natürlich deutete auch der verschwundene Parasol chinois (Kapitel 4.3.12.) auf die Inspiration durch China.

Generell wurde die Variante des Englischen Landschaftsgartens, die man auf dem europäischen Festland übernahm und die durch zahlreiche unterschiedliche Staffagebauten gekennzeichnet war, als „englisch-chinesisch“ bezeichnet. Manche Theoretiker sprachen den Engländern den Anspruch, die neue Gartenform „erfunden“ zu haben, ab und wiesen darauf hin, dass die sogenannten Englischen Gärten nichts anderes seien als eine Imitation der Chinesischen Gärten. So gesehen ist also jeder Landschaftsgarten „chinesisch“, nicht nur die Eremitage (Seite 37, Anm. 300).

Gibt es auf dem Rundgang ein Monument, in dem der Gedanke der Aufklärung und seinem mit dem Freiheitsgedanken verbundenen Naturbegriff besonders eindrücklich zu erkennen ist?

Um auf diese Frage zu antworten, muss ich sie unterteilen. Also 1.: Das Gedankengut der Aufklärung ist in so gut wie jedem Monument der Eremitage enthalten, wie ich in den einzelnen Kapiteln ausführe. 2. Spezifisch auf den Freiheitsgedanken bezogen waren in der Eremitage einerseits die Eremitenklause (wenn der Mensch sich aus dem Getümmel der Welt zurückzieht und zu sich selbst kommt, wozu er in der Natur die besten Voraussetzungen findet, ist er frei) und andererseits – mehr politisch aufgefasst – die künstliche Turmruine (Ideal des verklärten Mittelalters). 3. Die frei wachsenden und sich entfaltenden Bäume waren ein Sinnbild für Freiheit. 4. Wie ich in Kapitel 3.3. (vor allem Seiten 34, 35) darlege, war der Naturbegriff vor allem bei den frühen Landschaftsgärten eng mit dem Freiheitsgedanken verknüpft (erste Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts). Zur Zeit der Anlegung der Eremitage hatte der Landschaftsgarten schon viel von seinen ursprünglich politisch-oppositionellen Impulsen verloren. Man darf den Gehalt der ersten Landschaftsgärten um 1720 nicht unbesehen auf die Eremitage übertragen.

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Eingang zur Proserpinagrotte (das Innere ist nur bei Führungen zu besichtigen); Hugs Werk enthält neue Erkenntnisse über den Lichtstrahl, der die Auferstehungsfigur im Inneren beleuchtet haben soll. Das Geheimnis des Lichtstrahls wird auf S. 335 f. von Hugs Werk gelöst.

Zu welchem Monument wurden durch Ihre Forschungsarbeit am meisten neue Erkenntnisse gewonnen?

Schwierige Frage. Vermutlich zur Proserpinagrotte/Grotte des Todes und der Auferstehung. Beispielsweise konnte ich zweifelsfrei nachweisen, dass der auf die Auferstehungsfigur fallende Lichtstrahl nicht natürlich gewesen sein kann, wie manchmal behauptet wird. (Man liest, er sei oben beim Temple rustique durch die Öffnung des Luftschachtes eingefallen. Es gibt aber mehrere Gründe, weshalb das unmöglich ist. Diese zähle ich alle in meinem Buch auf).

Auch über die geplante Vergrösserung der Eremitage, die das Gebiet des „Hohlen Fels“ und die Ruine Reichenstein ebenfalls einbeziehen sollte, habe ich neue Informationen entdeckt.

Zudem konnte ich die Entwicklung des Mühlenkomplexes – die wiederum eng mit dem Eingang beim Felsentor verknüpft ist – rekonstruieren.

Und, und, und.

Ganz wichtige Erkenntnisse aber betreffen nicht ein bestimmtes Monument, sondern den Prozess des Wiederaufbaus der Eremitage im frühen 19. Jahrhundert. Durch die Entdeckung zahlreicher bisher völlig unbekannter Briefe Heinrichs von Ligertz liess sich genau nachvollziehen, wie die Restaurierung der Eremitage vor sich ging und vor allem, weshalb sie überhaupt wiederaufgebaut wurde (was alles andere als selbstverständlich war, da die Besitzerfamilie nach der Revolution nicht mehr in Arlesheim wohnte). Auch zeigte sich, dass Conrad und Laure von Billieux – zwei bisher kaum bekannte Persönlichkeiten - ebenfalls massgeblich in den Wiederaufbau involviert waren.

Was wiederum die Eremitage vor der Revolution anbelangt (1785 – 1792), war die Erkenntnis zentral, dass eine Fülle von Persönlichkeiten an ihrer Gestaltung mitgewirkt hatten.

Und sehr wichtig ist ebenfalls die Einbettung der Anlage in ihren damaligen internationalen Kontext.

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Delilledenkmal, nördlich des unteren Weihers, am Bach

Haben Sie einen persönlichen Lieblingsplatz, ein Monument oder eine Aussicht in der Eremitage, die Ihnen persönlich am besten gefallen?

Heute könnte ich keinen Lieblingsplatz mehr benennen. Aber früher, so etwa 1984/1985 sass ich sehr gerne beim Delille-Denkmal im Schatten der Bäume am plätschernden Bächlein und las Florians Schäferroman „Estelle“ (1782) oder studierte die Partitur von Beethovens Symphonie Nr. 6, „Pastorale“. Dieser Platz schien mir dafür ideal zu sein.

Sie schreiben in Ihrem Schlusswort, dass die im ursprünglich aufklärerischen Konzept der Eremitage vorhanden gewesenen geistig-seelischen Werte uns gerade heute, in einer Zeit, in der ein zunehmender Wertezerfall beklagt wird, Orientierung geben könnten. Können Sie ein Beispiel auf dem Rundgang nennen, das durch seine aktuelle Botschaft besonders auffällt?

Beispiele gäbe es viele. Lesen Sie nur z. B. die Kapitel über die Eremitenklause, die Proserpinagrotte, die Diogenesgrotte oder das Monument der Freundschaft. Aber am aktuellsten ist im Moment sicher die „Hieroglyphe“ (oder wie Sie es nennen, der Rebus) beim Tempel der Wahrheit (Seite 287):
„Unser leicht vergängliches Daseyn
Scheint uns so wichtig;
Wir streben daher unaufhörlich
Die Unbeständigkeit des eigen-
sinnigen Schicksals zu fesseln.
Unsre Eigenliebe schmeichelt uns
Mit dem Gedanken,
Dass alles, was wir um uns
Herum erblicken,
Beständig und bleibend sey;
Unsre Gedankenlosigkeit
Verleitet uns also, nach Gütern
Zu trachten,
Die -
In Augenblicken verschwinden.“

Das passt doch ausgezeichnet zur Finanzkrise, die uns mahnt, uns wieder auf das wirklich Wesentliche zu besinnen.

Der Wanderer dankt Frau Dr. Vanja Hug für ihre Antworten und schliesst sich ihrer Hoffnung an, dass ihr Werk, insbesondere auch ihre Ausführungen im Schlusswort, für künftige Restaurierungsarbeiten der Eremitage als Grundlage herangezogen wird.

1786: Bridels Reisebericht von Basel via Arlesheim nach Biel

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Philippe Sirice Bridel, Bildquelle und Biografie

Vor über 220 Jahren, 1786, veröffentlichte der Westschweizer Theologe Philippe Sirice Bridel (1757 - 1845) die "Course de Bâle à Bienne", die von Basel via Arlesheim und Delémont nach Biel führte. Bridel stand zu dieser Zeit (von 1786 bis 1797) in den Diensten der Eglise française de Bâle.

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Die Route führte über Arlesheim ...

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... wo Bridel den Besuch der Eremitage empfahl und ausführlich über die Solitude d'Arlesheim (der Begriff kam in den 1780-er Jahren auf) berichtete:

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Er beschreibt nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern widmet der Eremitage sechs Vierzeiler, die Bridel auch in den Poésies Helvétiennes veröffentlichte. Die Bedeutung, die Bridel der Eremitage zumass, zeigt sich auch darin, dass er seine Wegbeschreibung von Basel nach Biel mit einem Gedicht in Alexandrinern einleitete: "A l'Hermite de la Solitude d'Arlesheim".

Der Text von Philippe Sirice Bridel über die Arlesheimer Eremitage ist auch im neuen wissenschaftlichen Werk über die Eremitage von Vanja Hug enthalten (Teil 2, S. 38 ff).

Die kürzeste Verbindung zwischen Basel und der Westschweiz führt nicht über den Oberen Hauenstein, sondern quer durch den Jura über Delémont nach Biel. Sie folgt zu Beginn den Tälern der Birs. Die Route wurde immer wieder neu entdeckt und neu erschlossen. Einst von den Rönmern geöffnet, bildete sie später die Lebensader des Fürstbistums Basel und lockte die naturbegeisterten Reisenden der Romantik an. - Die Strecke wird heute im Rahmen der Kulturwege Schweiz in einem Tourismusprogramm angeboten. Insgesamt werden dem Wanderer fünf Wege (ViaStoria), darunter die ViaJura, welche der von Bridel beschriebenen Route entspricht, empfohlen.

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Das Erlebnismagazin ViaStoria, Kulturwege der Schweiz, beschreibt in seiner Ausgabe 2007/2 fünf Kulturwege durch die Schweiz. Auf der ViaJura führt wird von Basel aus der Birs entlang gewandert; in Arlesheim ist ein Halt für den Besuch von Eremitage und Dom vorgesehen. Kulturwege Schweiz ist ein Tourismusprogramm, das Reiseabenteuer vergangener Epochen lebendig werden lässt.

Wer sich für die Entwicklung des Mythos Schweiz am Beispiel Reisender von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert interessiert, dem sei folgendes Werk von Claude Reichler und Roland Ruffieux (Hrsg.) empfohlen:

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Le voyage en Suisse: anthologie des voyageurs français et européens de la Renaissance au XXe siècle, Paris 1998

Die Eremitage im Bild

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180-Grad-Panorama des mittleren Weihers: Der Fotograf Michael Sengers war zu Besuch in Arlesheim und hielt die Eremitage in Bildern fest. Besten Dank an SchweizFotos.ch für die Autorisierung zur unentgeltlichen Nutzung der Aufnahme. Hinweis: Die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur in Absprache mit dem Autor verwendet werden.

Neuer Weg zum Westzugang des Schlosses Birseck

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Schloss Birseck, Westseite

Während des Winters wurde mit Hilfe der Stiftung Pro Patria der Westzugang zum Schloss Birseck wieder hergestellt.

Die Wege auf der westlichen Seite des Schlosshügels sind in den letzten Jahren überwachsen und stellenweise verfallen. Nun sind die Instandstellungsarbeiten abgeschlossen, berichtet die Stiftung Ermitage auf ihrer Webseite.

Der wieder hergestellte Weg führt vom Standort des ehemaligen (in der Französischen Revolution zerstörten und nicht wieder rekonstruierten) parasol chinois an der Westseite des Schlosses entlang ...

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.... zum Westeingang hinauf ...

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... zum Westtor ...

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... und endet zum Schluss an der Nordseite des Schlosses (Haupteingang für Besichtigungen).

Rechtzeitig zur Eröffnung des Schlosses Birseck sind die Arbeiten abgeschlossen und ab 11. Mai 2008 sind die Wege für das Publikum wieder zugänglich.

Die wieder hergestellten Wege bieten weniger bekannte Ausblicke:

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Ab Pfingssonntag, 11. Mai 2008, kann das Schloss wieder besichtigt werden und zwar jeweils am Mittwoch und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Zusätzlich steht das Schloss am Pfingstmontag zu den genannten Zeiten offen, informiert die Stiftung Ermitage auf ihrer Webseite.

Waldbrudersaison eröffnet

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Ab Sonntag, den 4. Mai 2008, läutet wieder regelmässig das Glöcklein auf des Waldbruders Klause in der Eremitage. Der Waldbruder lädt jeweils bei schöner Witterung sonntags von 13.30 bis 17 Uhr zum Besuch.

Den Frühlingsputz des Eremiten und seiner Klause erledigten die Zunftbrüder der Säulizunft.

Temple rustique nach historischer Vorlage restauriert

Ende 2007 wurden die Arbeiten für den Wiederaufbau des Temple rustique in der Ermitage abgeschlossen. Der Tempel entspricht nun wieder seiner historischen Vorlage:

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Samuel Birmann, um 1814, Stich: Temple rustique

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Der Temple rustique enstand anstelle des Temple de l'amour, der den Revolutionswirren von 1793 zum Opfer fiel. Der Liebestempel hatte die Form einer künstlichen Turmruine und diente als Aussichtskabinett.

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Charakteristisch für den Temple rustique ist sein Schilfdach und der Altar, der in der Mitte steht und den oberen Lichteinlass der Prosperinagrotte bildet. Die Prosperinagrotte, auch Todesgrotte genannt, beherbergt das Denkmal für Balbina von Andlau, das ihr Vetter, Heinrich von Ligertz, nach ihrem Tode errichten liess.

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  • Quelle: Heyer, Hans-Rudolf, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft, Band 1, Bezirk Arlesheim, Basel, 1969

Neue Webseite über die Eremitage

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Der Webseite der Stiftung Eremitage ist zu entnehmen, dass der temple rustique diesen Herbst nach historischer Vorlage neu erbaut werden wird.
© Foto Roland Zumbühl, picswiss, Arlesheim

Die Stiftung Eremitage und Schloss Birseck, Eigentümerin des ältesten englischen Landschaftsgartens der Schweiz, präsentiert sich neu auf einer Webseite. Nebst einem kurzen historischen Abriss sind Angaben zu Führungen, Literaturhinweise und aktuelle Informationen der Stiftung nun im Internet zugänglich. Zusätzlich werden die Besuchenden auf einen Fotospaziergang durch den ältesten englischen Landschaftsgarten der Schweiz eingeladen.

Ab Sonntag Winterschlaf

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Visitors © by Monika N.

Am Sonntag, 14. Oktober 2007, ist die letzte Gelegenheit, dem Waldbruder in der Eremitage eine Gabe in die Schüssel zu legen. Die Waldbruderklause ist letztmals dieses Jahr von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ab Montag ist bis April 2008 Winterpause und die Läden der Klause bleiben geschlossen.

Die Kunst des Spazierens

Kein Tag an dem nicht Spazierende in die faszinierende Welt der Eremitage eintauchen und sich auf den Garten einlassen. Die Entwicklung der Kunst des Spazierens nahm etwa vor 200 Jahren ihren Anfang; Parks wurden als Landschaftsgemälde verstanden, die sich mit jedem Schritt, jeder Bewegung des Spaziergängers veränderten. Aus dieser Zeit stammen auch nachfolgende Gedanken des deutschen Schriftstellers Jean Paul über vier unterschiedliche Typen - "Kasten -von Spaziergängern, die er in seinem Romanfragment Die unsichtbare Loge beschreibt.

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Jean Paul, Die unsichtbare Loge, 1793

Da ich so ruhig bin und nicht spazieren gehen mag: so will ich über das Spazierengehen, das so oft in meinem Werke vorkommt, nicht ohne Scharfsinn reden. Ein Mann von Verstand und Logik würde meines Bedünkens alle Spazierer, wie die Ostindier, in vier Kasten zerwerfen.

In der I. Kaste laufen die jämmerlichsten, die es aus Eitelkeit und Mode tun und entweder ihr Gefühl oder ihre Kleidung oder ihren Gang zeigen wollen.

In der II. Kaste rennen die Gelehrten und Fetten, um sich eine Motion zu machen, und weniger, um zu genießen, als um zu verdauen, was sie schon genossen habe; in dieses passive unschuldige Fach sind auch die zu werfen, die es tun ohne Ursache und ohne Genuß, oder als Begleiter, oder aus einem tierischen Wohlbehagen am schönen Wetter.

Die III. Kaste nehmen diejenigen ein, in deren Kopfe die Augen des Landschaftmalers stehen, in deren Herz die großen Umrisse des Weltall dringen, und die der unermeßlichen Schönheitlinie nachblicken, welche mit Efeufasern um alle Wesen fließet und welche die Sonne und den Bluttropfen und die Erbse ründet und alle Blätter und Früchte zu Zirkeln ausschneidet. - O wie wenig solcher Augen ruhen auf den Gebirgen und auf der sinkenden Sonne und auf der sinkenden Blume!

Eine IV. bessere Kaste, dächte man, könnt' es nach der dritten gar nicht geben: aber es gibt Menschen, die nicht bloß ein artistisches, sondern ein heiliges Auge auf die Schöpfung fallen lassen - die in diese blühende Welt die zweite verpflanzen und unter die Geschöpfe den Schöpfer - die unter dem Rauschen und Brausen des tausendzweigigen, dicht eingelaubten Lebensbaums niederknien und mit dem darin wehenden Genius reden wollen, da sie selber nur geregte Blätter daran sind - die den tiefen Tempel der Natur nicht als eine Villa voll Gemälde und Statuen, sondern als eine heilige Stätte der Andacht brauchen - kurz, die nicht bloß mit dem Auge, sondern auch mit dem Herzen spazieren gehen....

Quelle


Jean Paul hiess eigentlich Johann Paul Friedrich Richter und nannte sich aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau Jean Paul. Jean Paul brach die Arbeiten an dem Fragment ab und widmete sich Hesperus oder 45 Hundposttage, einem neuen Roman, der 1795 erschien. Das Buch, das zum grössten literarischen Erfolg seit Goethes Die Leiden des jungen Werthers wurde, machte Jean Paul schlagartig berühmt.

siehe auch:

Der Wanderer von Arlesheim

Skizzen zu Arlesheims Kultur, Geschichte und Natur. Fundstücke von Wanderungen in Arlesheim und Umgebung

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