Dom

Pozzi, ein Wanderstukkateur

In ihrem kürzlich erschienenen Buch beschreibt Ursula Stevens Leben und Werk des Tessiner Wanderstukkateurs Francesco Pozzi. Während dreier Jahre (1759 - 1761) schmückte Pozzi mit Hilfe seiner Söhne den gesamten Innenraum, den Hochaltar und die sechs Seitenaltäre des Doms von Arlesheim mit Stukkaturen. Die Arbeit gilt als eines seiner Hauptwerke. Für Arlesheim von Interesse: Der Autorin gelingt erstmals der Nachweis, dass der im Dom verwendete Marmor aus Italien stammt.

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Tessin - Land der ausgewanderten Künstler. Diesen Titel verleiht die Autorin Ursula Stevens der Sonnenstube der Schweiz. Unzählig sind die Werke, die Tessiner Architekten, Bildhauer, Stukkateure und Maler im Ausland geschaffen haben. Ursula Stevens beschreibt in ihrem kürzlich erschienenen Buch Leben und Werk des Wanderstukkateurs Francesco Pozzi, der 1704 in Bruzella/TI zur Welt kam:

In dem kleinen Dorf im Valle di Muggio gab es keine öffentliche Schule; Francesco Pozzi lernte Schreiben und Rechnen im Familienkreis und beim Dorfpfarrer. Wie damals üblich begann er etwa mit 12 Jahren eine fünfjährige Lehre in einer Stukkateurwerkstatt. Sein Grossvater, sein Onkel und sein Grossonkel übten bereits den Beruf des Stukkateurs aus.

Eventuell war es auch sein Grossonkel, Giovan Pietro Magni (1655 - 1723), der ihn ausbildete, denn dieser kehrte nach über 20 Jahren Tätigkeit als Stukkateur im Raum Baureuth, Bamberg und Würzburg nach Bruzella zurück.

Nicht eindeutig geklärt ist, wo sich Francesco Pozzi zwischen 1721 und 1729 aufgehalten hat. In der Literatur findet Francesco Pozzi erstmals 1730 Erwähnung, als er die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Architekten Johann Caspar Bagnato begann, die fast 30 Jahre, bis zum Tode Bagnatos, andauerte.

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Castel San Pietro

1728 heiratete Francesco Pozzi die ebenfalls aus einer Künstlerfamilie stammende Ursula Petoni aus Castel San Pietro/TI. Die Eheleute hatten 10 Kinder. Erst im Alter von 52 Jahren konnte Pozzi mit seiner Familie festen Wohnsitz in Castel San Pietro nehmen. Er bekleidete öffentliche Ämter und brachte es zu Wohlstand. So besass er bei seinem Tod im Jahr 1789 mehrere Häuser, Grundstücke und Weinberge.

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Dom von Arlesheim: Detail Stukkatur

Stuck wird hergestellt aus einer Mischung von Gips, Kalk, Marmorpulver und gewaschenem Quarzsand. Diese Mischung wird mit Wasser, Leim, Mandelöl und manchmal auch Wein zu einem Brei gerührt. Die feuchte Masse wird mit Kellen, Spachteln, Modellierhölzern oder direkt von Hand zu kleinen bis mittelgrossen Figuren, Reliefs, Ornamenten und Deckendekorationen geformt.

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Dom von Arlesheim: Stukkaturen voller Harmonie und Leichtigkeit

Die Abkehr vom in der Renaissance und im Hochbarock dominierenden Bau von eindrucksvollen Kirchengebäuden mit gewaltigen Ausmassen hin zum menschlichen Mass liess der Gestaltung des Innenraums eine neue Bedeutung zukommen. Im Zeitalter des Rokoko (von franz. "rocaille", Muschelschale)zeichneten Geborgenheit, Wärme, Harmonie und Leichtigkeit die Gebäude aus. Weiche, runde, fliessende Formen bildeten den Übergang von Architektur und Dekoration. Die Zusammenarbeit von Architekten, Malern und weiteren Spezialisten, zu denen auch die Stukkateure zählten, war unerlässlich. So arbeiteten oft auch Pozzi und Bagnato unterstützt vom Maler Appiani erfolgreich als Team.

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Dom von Arlesheim, Stukkaturen von Francesco Pozzi

Nach Arbeiten u.a. in Altshausen (Schloss und Schlosskirche), Mainau (Schloss und Kirche), Obermarchtal (Kloster), Bischofszell (Rathaus) erhielt Francesco Pozzi 1759 das Angebot, im renovierten Dom die Dekoration des gesamten Innenraums, des Hautpaltars un der sechs Seitenaltäre zu übernehmen. Begleitet wurde er von seinen beiden Söhnen, die seit Obermarchtal mit ihm zusammen arbeiteten, dem Sohn Bagnatos und dem Maler Joseph Ignaz Appiani. Die Arbeiten im Dom von Arlesheim dürfen als Zeugnis der von Leichtigkeit und Eleganz geprägten Stukkateurskunst Pozzis gelten.

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Dom von Arlesheim: Ergebnis der Teamarbeit von Architekt, Maler und Stukkateur

Für Arlesheim besonders interessant ist der Umstand, dass die Autorin Ursula Stevens einen Beleg für den Import des im Dom verwendeten Marmors gefunden hat: Für die Kanzel und die Altäre liess Francesco Pozzi neun Sorten echten Marmors aus Italien herbeischaffen.
  • Ursula Stevens, Francesco Pozzi. 1704 -Bruzella - 1789 Castel San Pietro. Ein Wanderstukkateur aus dem Tessin, 2007

Das Venice Baroque Orchestra im Dom

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Venice Baroque Orchestra, Foto: Nana Watanabe / Sony Classical

Am 9. April 2008 eröffnet das Venice Baroque Orchestra die Saison der Domkonzerte 2008.

Auf dem Programm sind Werke von Bach, Händel (Orgelkonzert), Albinoni (Oboenkonzert) und Pergolesi (Stabat Mater). Leitung und Orgel: Andrea Marcon.

Pergolesis Stabat Mater war sein letztes Werk und gilt als das im 18. Jahrhundert am häufigsten gedruckte Musikstück.

Konzertbeginn: 19.30 Uhr

René Saorgin auf der Silbermann-Orgel

Buxtehude
Harmonia mundi veröffentlicht Buxtehude, gespielt von René Saorgin, neu auf CD. Teilweise aufgenommen im Dom von Arlesheim, auf der Silbermann-Orgel

Das Jahr 2007 stand im Zeichen des vor drei Jahrhunderten geborenen Dieterich Buxtehude. 1970 legte Harmonia mundi France die Gesamtaufnahme von Buxtehudes Orgelwerk durch den 1928 in Cannes geborenen, bei Maurice Duruflé ausgebildeten Organisten René Saorgin vor. Seine vielgerühmte, nun auf fünf (LP-schwarzen) CDs in apart gestalteter, von einem umfangreichen Booklet begleiteter Box wieder vorgelegte Einspielung bestätigt ihre künstlerische Überzeugungskraft und die in den Dienst des einzelnen Werks und dessen Architektur gestellte Klangphantasie.

Gewicht kommt dem Album nicht zuletzt zu durch die vier in ihrem Grundbestand aus dem 17./18. Jahrhundert stammenden historischen Instrumente, deren sich Saorgin bediente: die Orgeln der Sint Laurenskerk von Alkmaar und der Groote Kerk von Zwolle (Holland), der St. Nikolaus-Kirche von Altenbruch (Deutschland) und des Doms von Arlesheim.

Die überlegt durchmischte Verteilung der 40 Choralbearbeitungen, 18 Praeludien, 3 Toccaten, der je 2 Canzoni, Ciaconen und Fugen und weiterer 4 Einzelwerke auf die CDs ergibt fünf «komponierte» Rezitals mit einem der gewichtigsten Œuvre der Orgelliteratur.

4. Domkonzert

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Blick in das Pedalwerk der Silbermannorgel im Dom von Arlesheim

Am Samstag, 24. November 2007, findet um 20.15 Uhr das 4. Konzert im Dom von Arlesheim statt.
Almut Hailperin (Sopran), Chistine Deiss (Alt), Achim Schulz (Tenor), Peter Zimpel (Bass) singen Werke von Johann Michael Bach, Johann Hermann Schein, Schenck und Johann Sebastian Bach. An der Blockflöte: Richard Erig und Annemarie Zehnder; Viola da Gamba: Margaux Blachard und Amélie Chemin, Violine: Thilo Hirsch. Orgel und Leitung: Jean-Claude Zehnder.

Hervorgehoben sei Johann Sebastian Bachs Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" (Actus tragicus) BWV 106. Das frühe Meisterwerk wurde um 1707 komponiert und stammt aus Bachs Organistenzeit im thüringischen Mühlhausen, es gilt als Kleinod unter den zweihundert überlieferten Kantaten.

Tenor:
Ach Herr,
lehre uns bedenken,
dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.


Bass:
Bestelle dein Haus;
denn du wirst sterben und nicht lebendig bleiben!


aus: Actus tragicus

Das Besondere an diesem Werk ist, dass die Bibeltexte, die vom bedrückenden Gedanken des Sterbenmüssens zu Trost und Lobpreisung Gottes aufsteigen, noch im alten Motettenstil vertont werden, also im steten Wechsel von Solo- und Chorgesang bei fliessenden Übergängen, häufigen Tempo- und Ausdrucksvariationen. Vermutlich schrieb Bach das Werk für einen Trauergottesdienst; entsprechend zart, kammermusikalisch koloriert ist die Besetzung mit Blockflöten, Gambe und Continuo-Orgel.

Der Textdichter der Kantate ist unbekannt, wesentliche Teile und Reihenfolge der Textzusammenstellung finden sich bei Johannes Olearius, Christliche Bet-Schule Leipzig 1668, "als Tägliche Seuffzer und Gebet üm ein seliges Ende." Inhaltlich behandelt die Kantate zunächst die Unausweichlichkeit des menschlichen Sterbens, dann die Gewissheit der Auferstehung, um schliesslich in den Lobpreis der göttlichen Dreieinigkeit zu münden.

Vorverkauf: Sichelharfe, Postplatz 2, Arlesheim und „au concert", Aeschenvorstadt 2, Basel
Abendkasse eine Stunde vor Konzertbeginn im Domhof
Fr. 30.--/Fr. 25.—(Ermässigte)

Am letzten Sonntag im Oktober anno 1581

Am letzten Oktobersonntag des Jahres 1581, am 29. Oktober, leitete Bischof Jacob Christoph Blarer von Wartensee mit einer katholischen Messe, die er in der Arlesheimer Odilienkirche las, die Gegenreformation im Birseck ein.

Mit der Wahl von Blarer von Wartensee zum Bischof im Jahre 1575 wurde ein Aussenseiter Bischof des Fürstbistums Basel. In jener Zeit drang die Reformation immer weiter vor und die Zahl derer, die sich vom katholischen Glauben abwandten und den protestantischen Glauben annahmen, wuchs. Dies war nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein weltliches Problem, war der Bischof doch gleichzeitig auch Landesfürst. Es war zu befürchten, dass sich die protestantischen Gebiete Birseck und Laufental immer mehr auch in politischer Hinsicht Basel zuwenden würden.

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Bischof Blarer von Wartensee

Auch in Arlesheim - Arlisheim, wie es damals noch hiess - war protestantisch geprägt und die Arlesheimer Odilienkirche wurde von Protestanten genutzt. Für die Ernennung der Seelsorger der Odilienkirche war - wie in allen ihm unterstellten protestantischen Gemeinden - der Bischof zuständig. In der Regel wurden die von Basel vorgeschlagenen Pfarrer eingesetzt. So hätte Bischof Blarer 1579 in Arlesheim einen Pfarrer ernennen sollen, was er jedoch nicht tat. So betreute der Pfeffinger Pfarrer Jacob Langhans interimistisch auch die Arlesheimerinnen und Arlesheimer.
Am Samstag, den 28. Oktober 1581, reiste der Bischof mit seinem Gefolge und 18 Pferden zu seinem Bruder, der als Vogt auf Schloss Birseck amtete. Er befahl, alle Einwohner hätten sich am Sonntag um acht Uhr für eine Ansprache des Landesherrn vor der Kirche zu versammeln. Der Bischof feierte nun vor den versammleten Arlesheimerinnen und Arlesheimern in der Odilienkirche die Messe und der evangelische Pfarrer Langhans konnte erst im Anschluss daran seinen Gottesdienst halten. Diese in einer von Protestanten genutzten Kirche gelesene katholische Messe wurde von den Zeitgenossen als ungewöhnlicher Akt von grosser symbolischer Bedeutung für die Rekatholisierung des Birseck gewertet.

In der darauf folgenden Zeit wurde die Odilienkirche als sogenanntes Simultaneum von beiden Religionen genutzt.

Es ist davon auszugehen, dass die Lesung der katholischen Messe in der Arlesheimer Odilienkirche durch Bischof Blarer knapp hundert Jahre später Bischof Johann Conrad von Roggenbach mit beeinflusste, das Domkapitel in Arlesheim anzusiedeln und darauf zu drängen, dass der noch nicht ganz fertig erstellte Dom genau hundert Jahre nach Bischof Blarers Messe in der Odilienkirche ebenfalls am letzten Oktobersonntag geweiht wurde.

Quellen:
  • Arlesheim als Residenz des Basler Domkapitels, Begleitpublikation zur Ausstellung im Ortsmuseum Trotte, Arlesheim, 1999
  • Felix Ackermann, Bischof Jacob Christoph Blarer von Wartensee und die Wahl Arlesheims als Residenzort des Basler Domkapitels, Arlesheim, 2001

Von Arlesheim nach Pruntrut: Ebersteins Bibliothek

Die einen haben Freude an Pferden, andere an Vögeln, andere an wilden Tieren, ich aber bin seit meiner Kindheit begeistert von Büchern." Zitat Kaiser Julian Ekdikios und Schlusssatz Ebersteins im Vorwort zu seinem Bibliothekskatalog.

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Die Ankündigung der Ausstellung ziert das Exlibris Ebersteins, das er seit ca. 1780 verwendete.

Am 26. Oktober 2007 wird im Hôtel de Gléresse in Pruntrut die Ausstellung Christian Franz von Eberstein (1719 - 1797) - Das intellektuelle Vermächtnis eines Domherrn des Basler Domkapitels in Arlesheim eröffnet. Sie dauert bis Sonntag, 16. Dezember 2007 und ist jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung geöffnet (Tel. 032 420 84 00).

Der aus Sachsen stammende Christian Franz von Eberstein, traf 1747 aus Eichstädt kommend in Arlesheim ein und nahm als Domherr Einsitz in das Domkapitel. Er konnte nicht sogleich in ein Domherrenhaus am Domplatz einziehen, da es für die 16 Domherren nur deren 10 Häuser gab. Nachdem er einige Zeit zur Miete gewohnt hatte, konnte Eberstein Anfang 1751 das sogenannte neue Haus des Schaffners (der Schaffner verwaltete die Feudaleinkünfte des Domkapitels) an der Domstrasse 3 beziehen (heute Wohnaus und Praxis von Dr. Lorenz Kober). Von 1760 bis 1793 lebte Eberstein in einem Domherrenhaus am Residenzplatz - heute Domplatz genannt - im linken Teil des Hauses, das heute die Gemeindeverwaltung beherbergt (Domplatz 8) und urspünglich über zwei Eingänge verfügte.

46 Jahre lang war Eberstein Mitglied des Domkapitels und stieg schliesslich zum Probst auf, dem höchsten Würdenträger nach dem Bischof. Sein Bewusstsein für Tradition einerseits und sein Interesse an der protestantischen Theologie lässt ihn zur Symbolfigur für konfessionelle Konflikte im Zeitalter der Aufklärung werden.

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Dem Verein Freunde des Domes zu Arlesheim ist es zu verdanken, dass Leben und Werk des Arlesheimer Domherrn Christian Franz von Eberstein in der Biographie von Felix Ackermann Anerkennung findet

Das intellektuelle Vermächtnis des Domherrn Eberstein besteht zur Hauptsache in seiner Bibliothek, die wahrscheinlich zu einer der bedeutendsten Gelehrtenbibliotheken seiner Zeit gezählt werden darf. Als Privatmann interessierte Eberstein sich insbesondere für politische und literarische Publikationen der Aufklärung. Die Bibliothek war nicht nur umfangreich, sondern durch Eberstein minutiös gegliedert und katalogisiert.

In den 1790-er Jahren wurde verfügt, dass alle Bücher, welche sich in den Häusern von Geistlichen befanden, beschlagnahmt werden sollen. So wurde auch die 2'202 Titel umfassende Bibliothek Ebersteins, trotz seines Protestes, grösstenteils zuerst nach Delémont und anschliessend nach Pruntrut gebracht. Eberstein selber hatte Arlesheim 1793 als letzter Domherr verlassen und sich ins Basler Exil begeben.

Heute wird der erhaltene Teil der Bibilothek und insbesondere der handschriftliche Bibliothekskatalog in der Bibliothèque cantonale jurassienne verwahrt und bildet den Grundbestand des Fonds Ancien dieser Bibliothek.

Quelle:

Über Orgeln diskutieren

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Im Dom von Arlesheim, © Foto Monika N.

De l'Antiquité au début du XXIe siècle, l'orgue, machine musicale par excellence, n'a cessé d'évoluer, de se perfectionner au gré des modes et des esthétiques musicales. Il n'y a donc pas "UN" instrument orgue, mais une infinité de variantes d'un principe technologique de base.
C'est pour défendre cette idée qu'a été fondé le forum Organographia: ici pas de dogme, mais des faits, des connaissances partagées dans la convivialité et le respect d'autrui.

Im Forum Organographia diskutieren Orgelkenner über die Geschichte der Orgel, Werkstätten, Komponisten, Organisten oder sie treffen sich zu einem Schwatz in der Bar ... Wer mitlesen oder mitdiskutieren will, der lässt sich in einem einfachen Verfahren registrieren. In den letzten Tagen war die Arlesheimer Silbermannorgel, ihre Renovation, ihr Klang, Thema einer angeregten Diskussion. Nachzulesen - nach dem erfolgreichen Registrieren - im Kapitel 'Histoire' und im Unterkapitel 'L'orgue classique (avant 1850)'.

Pfeifen und Register: die letzten Tage

Silbermann-Orgelbauer-Ausstellung-Wuerth-Arlesheim

Am Sonntag, den 19. August 2007, schliesst die Ausstellung über die Orgelbauerfamilie Silbermann im Forum Würth ihre Pforten. Sie wird als eine der erfolgreichsten Ausstellungen in die Geschichte des Kunstforums Würth Arlesheim eingehen und allen, welche die Gelegenheit noch nicht nutzten, in die faszinierende Welt der Silbermannschen Pfeifen und Register einzutauchen, seien diese letzten Ausstellungstage ans Herz gelegt.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 11.00 bis 17.00 Uhr und
Samstag und Sonntag, 10.00 bis 18.00 Uhr.

Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos.

siehe auch:

In organo pleno

Der Arlesheimer Domorganist, Dr. h.c. Jean-Claude Zehnder, wird zu seinem 65. Geburtstag mit einer Festschrift geehrt.

Festschrift-Zehnder-In-organo-pleno

Organo pleno (lateinisch: volles Werk, Plenum) bezeichnet vom 15. bis 18. Jahrhundert das Spiel mit der vollen Orgel (Prinzipale und Mixturen im Manual, im Pedal auch Zungenstimmen); um 1900 versteht man darunter das Spiel mit sämtlichen Registern der Orgel (tutti) (Quelle). - In organo pleno, dies ist der Titel der Festschrift für den Arleser Domorganisten Jean-Claude Zehnder, die zu seinem 65. Geburtstag Mitte August veröffentlicht wird (Publikationen der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft Serie II Publicatons de la Société Suisse de Musicologie Série II Band 48).

In organo pleno ist nie nur eine einfache Anweisung in der Partitur. Vielmehr weckt dieser Ausdruck in einem Organisten tiefe Emotionen: wenn man ein Register nach dem anderen zieht, hört man im Geiste schon die grosse Gravität des unnachahmlichen Klanges, den man erzeugen wird. In diesem Sinne möchten wir - so schreiben die Herausgeber, Alexandra Nigito und Luigi Collarile, in ihrem Vorwort - diese Festschrift erklingen lassen, als ein Geschenk für einen ganz besonderen magister organi: Jean-Claude Zehnder.

Für seine Forschungen im Zusammenhang mit der Entwicklung des jungen Johann Sebastian Bach erhielt Jean-Claude Zehnder 2002 den Ehrendoktortitel verliehen. Mit 14 Beiträgen, die sich mit den verschiedensten Themen wie Quellen, historischen Aspekten, Personen, Instrumenten und Fragen zur Tasteninstrumentenmusik, insbesondere der Orgelmusik, befassen, wird dem Organisten und Forscher Jean-Claude Zehnder für seine Arbeit gedankt (aus dem Vorwort zur Festschrift). Der Leiter der Arlesheimer Musikschule und Organist auf der Arlesheimer Silbermann-Orgel Peter Koller, ist in der Festschrift mit dem Beitrag Jean-Claude Zehnder in Arlesheim vertreten.

Festschrift In organo pleno online bestellen

Jean-Claude Zehnder an der Arlesheimer Silbermann-Orgel, aus einer Sendung des SWR Fernsehens ("Fahr mal hin - Das Baselbiet"; Sendetermin: 18.1.2001): © SWR

Silbermann und der St. Odilienberg

Johann Andreas Silbermann (1712 bis 1783) war ein hervorragender Orgelbauer, dem wir die Arlesheimer Domorgel verdanken und der im Elsass, in Lothringen, im heutigen Baden und in der Schweiz insgesamt 57 Orgeln errichtete. Seine Instrumente stehen für eine Synthese französischer und deutscher Orgelbaukunst.

Johann Andreas Silbermann war aber auch ein kulturell hochinteressierter Mensch und auch als Schriftsteller, Altertumsforscher und begabter Zeichner bekannt. So veröffentlichte er eine Lokalgeschichte der Stadt Strassburg (1775) und eine Beschreibung von Hohenburg oder dem St. Odilienberg samt umliegender Gegend (1781). – Beide Publikationen werden in der Silbermann-Ausstellung im Forum Würth in einer Glasvitrine im 2. Stock gezeigt.

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"Die Beschreibung von Hohenburg oder dem St. Odilienberg" von Johann Andreas Silbermann, Strassburg, 1781, ausgestellt in der Vitrine der Silbermann-Ausstellung im Forum Würth in Arlesheim

Für Arlesheim, dessen katholische Kirchgemeinde unter dem Schutzpatronat der Heiligen Odilia steht, ist Silbermanns Schrift über den Odilienberg von besonderem Interesse. In einem nur knapp 18 cm hohen und 12 cm breiten Büchlein beschreibt Silbermann die Geschichte des Odilienbergs und der Heidenmauer und erweist sich als aufmerksamer Berichterstatter. Die Ausführungen werden mit 20 Kupferstichen von Johann Martin Weiss illustriert, die auf Zeichnungen Silbermanns beruhen. Dass Silbermann eine Schrift über seine Geburtsstadt Strassburg verfasste, ist nahe liegend.

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Aber wie kam Johann Andreas Silbermann dazu, das Kloster Hohenburg und den Odilienberg zu beschreiben? Die Antwort findet sich im fraglichen Werk in einem Nebensatz im Zusammenhang mit der Beschreibung der Geschichte des Odilienbergs: Silbermann erwähnt, dass er sich 1750 wegen Aufrichtens der Orgel im Kloster Hohenburg aufgehalten hatte:

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" ... wie es im Jahr 1750, als ich mich wegen Aufrichtung der Orgel daselbst einige Tage aufhielt ..."

Bis die Beschreibung der Hohenburg in gedruckter Form vorlag, vergingen über dreissig Jahre, in denen sich Silbermann wiederholt mit der Geschichte und der Anlage des Klosters auseinandergesetzt haben dürfte.

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Der Kupferstich von Niedermünster basiert auf einer Zeichnung von Johann Andreas Silbermann

Silbermanns Beschreibung des Odilienbergs lässt über Tausend Jahre Klostergeschichte aufleben. Er beschreibt „vielfältige Unglücksfälle, die es seit seinem ersten Ursprung an betroffen haben.“ So wurde es „mehrmals durch Feuerbrünste zerstöret, aber immer wuchs es aus Schutt und Asche wieder empor.“

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Eticho überreicht seiner Tochter Odilia den Schlüssel zur Hohenburg

Über das erste Kloster schreibt Silbermann: „Auf eben dem Platz, wo das alte Schloss Altitona oder Hohenburg gestanden, wurde unter der Heiligen Odilia das erste Kloster im Jahr 680 angefangen und 690 vollendet“. Silbermann liefert die zeichnerische Vorlage für den Kupferstecher, welche die Übergabe des Klosters von Eticho an seine Tochter Odilia in einem „gemahlten alten Glasfenster des Rathauses zu Oberehnheim, wo selbst, wie gemeldet, die Herzogliche Residenz war, mit Überreichung des Schlüssels, auf die nämliche Art vorgestellt.“

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Silbermanns Beschreibung der St.Odilien-Kapelle, auf der rechten Seite die Abbildung ihres Sarges

Silbermann-Odilia-Hohenburg-Kapelle1
"Nachdem von dem ganzen und unversehrten Körper der H.Odilia ein Theil des rechten Arms weggenommen worden, so verschloss man die heiligen Ueberbleibsel sogleich in diesen Sarg, in Beyseyn und mit Beyhülfe Karl IV. Römischer Kaisers und der Bischöfe von Strassburg und Olmütz. Im Jahr 1354."

1045 und 1049 wurde die Klosterkirche „durch einen Zufall, welchen die Geschichtsschreiber nicht bemerkt haben, zerstört“, dann aber sogleich wieder aufgebaut. Im selben Jahre, 1049, in dem die Klosterkirche zum zweiten Mal wieder aufgebaut wurde, besuchte der aus dem Elsass stammende Papst Leo IX. Hohenburg und weihte das Kloster zum zweiten Mal.

Im 12. Jahrhundert zog „Herzog Friedrich, der Vater des Kaisers Friedrich Barbarossa, die Güter und Kirche zu Hohenburg freventlich an sich“ und lässt sie völlig zerstört zurück. Dies geht aus einer Bulle von Papst Lucius III. aus dem Jahre 1185 hervor. Kaiser Barbarossa „bedauerte dieses Verbrechen seines Vaters und stellte Kirche und Abtei wieder in Stand.“

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Beschreibung des St. Odilien-Brunnens, der eine Viertelstunde unterhalb des Klosters an dem langen schmalen Wolfsthaler-Hügel steht. "Ueber der aus einem unterhölten Felsen rinnenden Quelle, wodurch im Jahr 750 die heiliege Odilia einem daselbst schmachtenden Pilgrim gleichsam wieder das Leben gegeben hat, steht ein steinern Kreuz, worunter das Wasser durch eine Rinne in einen Wassertrog geleitet wird, aus welchem es ferner den Berg hinab bey Niedermünster hin seinen Ablauf hat."

In den Jahren 1199, 1243 und 1301 wüteten Feuersbrünste und legten das Kloster in Asche. 1474 „fielen die Völker des Herzogs Karls von Burgund ins Elsass ein. Sie beraubten und verbrannten auch das Kloster Hohenburg. Nach ihrem Abzug wurde es bald wieder erbauet“.

1546 „brach im Badhaus der Äbtissin Agnes von Oberkirch eine bis Basel sichtbare Feuersbrunst aus“, als diese badete. Die Äbtissin konnte sich zwar retten, aber „das Unglück verursachte die Klosterfrauen, Hohenburg zu verlassen.“

Erst 1605 veranlasste der Bischof von Strassburg den Wiederaufbau. Im Jahre 1622 fielen die Mansfeldischen Truppen ins Elsass ein: alle Gebäude auf dem St. Odilienberg wurden durch das Feuer zerstört. 1630 errichtete Erzherzog Leopold II., Bischof von Strassburg ein neues Kloster und eine neue Kirche.

Silbermann-Hohenburg-Odilia-Kloster
Die Hohenburg, Kupferstich von Johann Martin Weiss, nach einer Zeichnung von Johann Andreas Silbermann

„1681 wurde das Kloster wiederum ein Raub der Flammen.“ Drei Jahre später, 1681 wurde das Kloster wieder aufgebaut; es entsprach dem von Silbermann im Jahre 1750 besuchten Kloster. - Zehn Mal wurde die Hohenburg in Tausend Jahren zerstört und wieder aufgebaut; meist waren es Feuersbrünste, die der Klosteranlage zu Schaden gereichte.

Silbermann-Niedermuenster-Odilia-Aebtissinnen
"... Walburgis regierte im Jahr 1239. Diese Aebtissin hat dem Bischof von Basel Arlesheim, allwo das Basler Kapitel seinen Sitz genommen, um 80 Mark Silber verkauft."

Silbermanns Beschreibung des St. Odilienbergs ist nicht nur ein Beleg für seine aufmerksame Beobachtungsgabe, sondern stellt auch einen Vorläufer des heutigen illustrierten Reiseführers dar.

Wer in der Geschichte der Reiseführer einen Blick zurückwirft, der stösst auf die Apodemiken des 16. bis 18. Jahrhunderts (der Begriff leitet sich vom griechischen apothimeo, was verreisen bedeutet, ab), die mit ihrem enzyklopädischen Anspruch als Anleitungen für die sogenannte Grand Tour dienten, der Europareise junger Aristokraten.

De-peregrinatione-et-agro-Neapolitano-duo-libri
"De peregrinatione et agro Neapolitano duo libri" von Hieronymus Turler, Strassburg, 1574, war die erste in einer Reihe von über 300 von komplexen Klassifikationssystemen geprägten Reiseanleitungen

Seit Hieronymus Turler 1574 in Strassburg „De peregrinatione et agro Neapolitano duo libri“ veröffentlichte, waren bis ins ausgehende 18. Jahrhundert über dreihundert solcher Bücher erschienen. Detaillierte Beschreibungen wiesen darauf hin, welchen Einzelheiten die jungen Reisenden Beachtung schenken sollten. Nichts sollte ihrem Blick entgehen: Land und Leute wollten im Detail erfasst werden, Sprache und Sitten, Rechtswesen und Umgangsformen, technische Erfindungen und Kunstwerke, Wirtschaft und Naturmerkwürdigkeiten – alles sollte sie interessieren. Komplexe Klassifikationssysteme und abstrakte Kategorien, eine Vielzahl von Beschreibungsrubriken und Abteilungen prägten die Reiseanleitungen und überforderten auch den willigsten Reisenden. Diese Reisebeschreibungstechnik brach quasi unter ihrer eigenen Last zusammen und bedeutete das Ende der Apodemiken.

Die Beschreibung des St. Odilienberges von Silbermann deutete schon eine neue Generation von Reiseanleitungen an: ohne den Text mit Einzelheiten zu überladen und die Leserschaft in ein Labyrinth von Klassifikationen und Kategorien zu entführen, gelingt es ihm, die Klosteranlage und ihre Umgebung historisch zu würdigen und auf Merkwürdiges (im Sinne von würdig, sich zu merken) beschreibend hinzuweisen. Dass er der Bebilderung seiner Ausführungen einen hohen Stellenwert einräumt, lässt ihn zum Vorreiter der heutigen illustrierten Reiseführer avancieren.

Quellen:
Alle kursiven Texte sind Zitate aus: Johann Andreas Silbermann, Beschreibung von Hohenburg oder dem St. Odilienberg samt umliegender Gegend, Strassburg, 1781

Siehe auch:

Der Wanderer von Arlesheim

Skizzen zu Arlesheims Kultur, Geschichte und Natur. Fundstücke von Wanderungen in Arlesheim und Umgebung

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