150 Jahre reformierte Kirchgemeinde Arlesheim

Im Gegensatz zum Dom zieht die bald hundertjährige reformierte Kirche unseres Dorfes keine Touristenströme an und die kunsthistorische Bedeutung erschliesst sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick.

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde feiert 150-Jahr-Jubiläum: Anno 1856 erbaute der Besitzer der Schappefabriken, Daniel August Alioth ( Sohn von Johann Sigmund Alioth, der anno 1830 am Mühleteich eine Filiale seiner baselstädtischen Schappe-Spinnerei gründete), für die Arbeiterinnen und Arbeiter ihrer Fabrik sowie für die im überwiegend katholischen Birseck angesiedelten Protestanten, im Park seiner Villa eine neugotische Kapelle. Nachdem bereits 1992 auf Alioth-Land das heutige Pfarrhaus am Stollenrain erbaut wurde, entstand um die Jahrhundertwende das Bedürfnis nach einer grösseren Kirche. Hinter - oder neben, je nach Sichtweise - dem Pfarrhaus stand ein Stöckli mit Waschküche und Unterrichtsraum. Hier wurde die neue reformierte Kirche geplant. Beim hierzu ausgeschriebene Wettbewerb wurden insgesamt 107 Projekte eingereicht; zur Ausführung kam das Projekt der Basler Architekten La Roche und Staehelin. Ursprünglich sollte die Kirche von einer Mauer umgeben sein (so wie wir dies aus Muttenz und Pratteln kennen); aus Kostengründen wurde jedoch darauf verzichtet.
Der Betrachter der Kirche entdeckt eine Vielzahl von Stilelementen: so sind am Turm beispielsweise romanische, gotische und barocke Elemente zu erkennen, das Schiff mit seinem Krüppelwalmdach wirkt profan, die Eingangsfront und die Anbauten haben gar schlossähnlichen Charakter.



Das heutige Wissen zur nationalen Romantik , auch Schweizer Heimatstil genannt, ist rudimentär. Nur wenige Publikationen beschäftigen sich mit dem Phänomen. Oft wird die Architektur des Heimatstils fälschlicherweise unter den Schweizer Holzstil (style chalet suisse) subsumiert. Der Heimatstil ist eine den Historismus überwindende Baukunst und hängt mit der Heimatschutzbewegung zusammen, die, seit 1903 von Deutschland ausgehend, 1905 in der Schweiz Fuss fasste.
Die Kirche ist übrigens bereits die dritte reformierte Kirche in unserem Dorf, denn nach der Reformation von 1529 stand die alte Odilienkirche während ungefähr 50 Jahren in reformierten Diensten; die zweite war die obenerwähnte Alioth-Kapelle, die in den 1950-er Jahren ausbrannte und anschliessend abgebrochen wurde. Erhalten geblieben ist einzig die Glocke. Standort der Kapelle war am heutigen Bruggweg 6/8.
Die reformierte Kirche steht seit 1970 unter Denkmalschutz.
Baugeschichte, Beschreibung und Würdigung von Hans Rudolf Heyer im kantonalen Kunstführer.
Weitere Quelle: Heimatkunde Arlesheim, Hauptredaktor Oscar Studer, 1993.
wanderer - 30. Aug, 09:28