Mittwoch, 5. April 2006

Geburtstagskind Sütterlin

SuetterlinGeorg Sütterlin, Pfarrer, Dekan und Ehrendomherr (dieses Prädikat wurde für ihn neu erschaffen) würde heute seinen 180. Geburtstag feiern.
Dem Menschen Sütterlin hat sein Nachfahre, Dr. A. Sütterlin, Anwalt, 1908 ein Büchlein gewidmet (Sein Leben und Wirken, Liestal), dem folgendes zu entnehmen ist:
Johann Georg Sütterlin (gemäss Taufbuch der Pfarrei Allschwil Sitterlin) kam am 5. April 1826 in Schönenbuch in armen Verhältnissen zur Welt. Das Elternhaus war aus Holz geflochten und mit Lehm vermauert, ausser dem Häuschen hatten sie noch drei Jucharten*) Land. Er besuchte die Bezirksschule in Therwil und anschliessend, dank eines Stipendiums des noch jungen Kantons Basellandschaft, das Pädagogium in Basel. Schon als Bezirksschüler musste er hart und mager durchs Leben. Während der Sommermonate arbeitete er morgens von vier bis sechs auf dem Felde, dann erhielt er ein Stück Brot mit nach Therwil; gegen Abend zurückgekehrt, musste er die Ochsen anspannen und Heu oder Getreide auf dem Felde holen. Tagsüber gabs in Therwil ausser dem Stück Brot und dem Wasser aus der Brunnenröhre nichts für den Magen.
Das Büchlein enthält zu jedem Lebensabschnitt Geschichten. Etwa die vom vom siebenjährigen Georg Sütterlin, der hinten auf einem Tennwagen von Basel nach Schönenbuch heimfahrend, auf einem Bett liegend, auf die Strasse rutscht und dort friedlich weiterschläft. Oder die Geschichte von den Schreihälsen, die meinten, zu früher Morgenstund vor dem Hause Sütterlin in Schönenbuch krakehlen zu müssen und dann vom jungen Studenten Sütterlin zum Schweigen gebracht wurden.
Auch wie er einen vermeintlichen Wolf bezwang, der sich als Misthaufen entpuppte, ist nachzulesen. Eindrücklich auch die erste Rede Sütterlins - es war anlässlich des Festes der Annahme der neuen Bundesverfassung, anno 1848.
Im Dezember 1850 beginnt Sütterlin mit dem "Tagebuch eines angehenden Geistlichen", die Auszüge daraus unterstreichen, was sein Nachfahre ebenfalls beschreibt und zitiert: Sütterlin, arm geboren, arm gelebt - später ein jovialer Herr mit gesundem Humor, unterhaltsam, von rührender Bescheidenheit und einer gewinnenden Liebenswürdigkeit. Freundlich gegen alle, die Gerechtigkeit liebend, verbunden mit Schaffensfreudigkeit, von der seine Publikationen zeugen. Aus seiner letzten Rede , er war bereits 81-jährig, am 22. April 1907 im Dom, stammt dieser auch heute noch bedenkenswerter Satz: "Indifferentismus und Materialismus, Genusssucht und Habsucht suchen sich wie anderwärts auch in unserer Gegen einzuschleichen".
Nächstes Jahr, 2007, jährt sich Sütterlins Todestag zum hundertsten Male - dies wäre eine Gelegenheit, die eine oder andere seiner vergriffenen Schriften neu aufzulegen.
*) Die Jucharte war eine dehnbare Dimension, denn sie bedeutete jene Ackerfläche, die von einem Gespann Ochsen in einem Tag gepflügt werden konnte 1 Jucharte = 1 Joch = 40 - 60 Aren

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