Birs

Die Fischgemeinschaften in der renaturierten Birs

Birs-Heiliholzbruecke
Die renaturierte Birs, Heiligholzbrücke flussaufwärts: die Fischgemeinschaft in diesem Abschnitt der Birs war Gegenstand einer Untersuchung

In einem zweieinhalbjährigen Forschungsprojekt wurde die Fischgemeinschaft in der revitalisierten Birs im Grenzbereich Arlesheim/Münchenstein untersucht. In den renaturierten Abschnitten konnte noch keine höhere Fischdichte nachgewiesen werden. Der Grund dafür dürften die 2004 und 2005 durchgeführten Revitalisierungsmassnahmen mit ihren baulichen Eingriffen sein. Insgesamt wurden 13 Fischarten in den untersuchten Strecken der Birs festgestellt, darunter der in der Schweiz gefährdete Strömer und das hierzulande stark gefährdete Bachneunauge. Für eine abschliessende Beurteilung des Erfolgs der Revitalisierungsmassnahmen ist es jedoch noch zu früh. Auch nach der Renaturierung unterscheidet sich der Lauf der Birs deutlich von seiner historischen, naturnahen Form mit ihren Seitenarmen, Hinterwassern und einem mehr als doppelt so langen Flusslauf zwischen Dornachbrugg und Münchenstein.

Die Nutzung der Fliessgewässer durch den Menschen wirkt sich vielerorts negativ auf die aquatischen Lebensgemeinschaften aus. So sind zahlreiche Flussfischarten gefährdet und Flussauen gehen massiv zurück.

Durch die Revitalisierung soll dieser fortschreitenden Verschlechterung Einhalt geboten werden. Im Vordergrund steht dabei die Wiederherstellung einer naturnahen Gewässerstruktur. In zahlreichen Projekten ist die positive Wirkung auf die Wasserlebewesen jedoch ausgeblieben, wie das Forscherteam Christine Weber und Armin Peter vom Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, Eawag, in ihrem Bericht schreiben.

Um die Situation in der renaturierten Birs im Grenzbereich von Arlesheim und Münschenstein zu erfassen, haben die beiden Forscher das historische Fischvorkommen und Lebensraumangebot der Birs ober- und unterhalb des Sundgauerviadukts anhand alter Quellen rekonstruiert. So schufen sie einen Reverenzpunkt für die Ermittlung der Naturnähe und für die Erfolgskontrolle nach der Revitalisierung.

Birs-Karten-1817-2000
Abbildung A (oben): Die Birs bei Münchenstein/Arlesheim 1817.
Abbildung B, gleicher Kartenausschnitt: die begradigte Birs 2000. In diesem Bereich liegen die untersuchten Abschnitte.

Bildquelle

Um 1810 wies die Birs bei Arlesheim und Münchenstein einen gewundenen Lauf mit zahlreichen Seitenarmen und Hinterwassern auf. Bei grösserem Hochwasser überschwemmte die Birs die Augebiete und verlagerte dabei auch häufig ihren Lauf, was zu einer grossen Veränderung der Wassertiefen und Fliessgeschwindigkeiten führte. Ein vielfältiger aquatischer Lebensraum entstand. Die Birs gilt – damals wie heute – als sogenannte Äschenregion, wobei über die tatsächliche Zusammensetzung der Fischfauna in der unbegradigten Birs wenig bekannt ist. Einzig für den Mündungsbereich ist das Vorkommen von Lachsen und Laichzügen von aufwandernden Nasen belegt.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Unterlauf der Birs in mehreren Etappen grossräumig begradigt. Als Schutz vor Hochwasser wurde die Birs in den 1970-er Jahren von Aesch bis zur Mündung in Basel und Birsfelden mit Dämmen korrigiert. War die Birs zwischen Dornachbrugg und Münchenstein vor 200 Jahren noch fast acht Kilometer lang, so weist sie heute im gleichen Bereich noch eine Strecke von dreieinhalb Kilometern auf.

Birs-bei-Arlesheim-Blockwuerfe
Blockwürfe am nicht renaturierten Birsufer bei Arlesheim

Im Frühjahr 2004 bzw. im Winter 2005 wurde das Birsbett bei Arlesheim und Münchenstein rekonstruiert, die Blockwürfe mehrheitlich entfernt und zur Schaffung von Inseln eingesetzt. Am Böschungsfuss wurden Weiden und Baumstämme angebracht, der Uferbereich angesät und bepflanzt. Wegen der intensiven Nutzung des Gebiets durch Siedlungsbau und Gewerbe war eine Erweiterung des Flussbetts nicht möglich. Der heutige Flusslauf unterscheidet sich nach seiner Revitalisierung noch deutlich von seiner historischen, naturnahen Form. Insbesondere fehlen Hinterwasser und Seitenarme, die wichtige Rückzugsorte während ungünstiger Bedingungen darstellen, zum Beispiel während Hochwasser.


Birs-Sundgauerviadukt-
Die Birs im Bereich des Sundgauerviadukts, flussaufwärts

Das Forscherteam verglich nun die Fischdichte dreier revitalisierter Abschnitte der Birs mit einer (noch kanalisierten) Kontrollstrecke. Im Verlauf der Studie hat sich die Fischdichte unterschiedlich entwickelt, wobei diese auf der Kontrollstrecke tendenziell dichter war als in den renaturierten Bereichen. Gründe für diese Entwicklung werden darin gesehen, dass einerseits die Revitalisierungsmassnahmen (bauliche Eingriffe im Rahmen der Revitalisierung, was zu einer erhöhten Trübung führte) die Fischdichte in den betroffenen Abschnitten negativ beeinflusst haben und andererseits das Blockwurfufer im (nicht renaturierten) Kontrollbereich eine grössere Vielzahl von Strukturen aufweist als die renaturierten Bereiche.

Es fällt auf, dass die in der Studie untersuchten revitalisierten Abschnitte über weite Strecken noch eine relativ geringe Strukturvielfalt aufweisen. Zusammen mit den relativ hohen Fliessgeschwindigkeiten ergibt sich ein geringes Unterstandsangebot für Fische. Viele Arten der Äschenregion haben jedoch mehr oder weniger starken Bezug zur Struktur ihres Lebensraums.

Insgesamt wurden 13 Fischarten nachgewiesen. Besonderheiten sind dabei der Strömer (in der Schweiz gefährdet) und das Bachneunauge (in der Schweiz stark gefährdet). Einzelne Arten wie Aal, Äsche, Bachneunauge, Stichling und Rotauge konnten nur in sehr geringen Zahlen nachgewiesen werden. Die revitalisierten Strecken zeigen eine deutliche Veränderung in der Artenzusammensetzung. Inwiefern dies jedoch auf die Renaturierung zurückzuführen ist (oder auf die verbesserte Fangbarkeit wegen der geringeren Wassertiefe), ist nicht eruierbar.
Weitere festgestellte Fischarten sind Alet, Bachforelle, Barbe, Elritze, Groppe, Gründling, Schmerle und Cypriniden (Familie der Karpfenfische). Orientiert man sich an der Fischgemeinschaft der Äschenregion, so fällt auf, dass noch einige charakteristische Arten fehlen, so die Nase, die Hasel und der Schneider. Für eine abschliessende Beurteilung des Erfolges der Revitalisierungsmassnahmen ist es vom fischökologischen Standpunkt aus noch zu früh. Die beiden Forscher empfehlen daher eine neue Erhebung beispielsweise nach der im Zuge der Aufhebung der ARA Reinach geplanten weiteren Revitalisierungsmassnahmen.

Urs Leugger: Sieben Jahre für den Biber

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Urs Leugger will sich vermehrt politisch für die Nagetiere einsetzen. Foto Daniel Desborough

Der Arlesheimer Urs Leugger bereitete den Bibern den Weg ins Baselbiet. Urs Leugger, der Vater von "Hallo Biber", wechselt von Pro Natura in die Stadtgärtnerei. Der nachfolgende Artikel ist in der Basler Zeitung vom 28. April 2007 erschienen. Autor: Andreas Hirsbrunner

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Basler Zeitung

Biberfell und Biberschädel gehörten in den letzten sieben Jahren zu seiner Grundausrüstung, wie für andere Lesebrille oder Lippenstift. Denn Urs Leugger, Vater und Leiter des Pro-Natura-Projekts «Hallo Biber», führte landauf, landab unzählige Exkursionen durch. Fell und Schädel waren dabei gute Mittel, um dem Publikum den Biber mit all seinen Besonderheiten näherzubringen.
Leuggers Philosophie hinter seinem öffentlichkeitswirksamen Feldzug zugunsten des Nagers hiess: Wer den Biber kennt, zeigt Sympathie für seine Rückkehr. Und die Rechnung ging auf. Dank einer breit abgestützten Allianz im Rücken, aber auch dank Beharrlichkeit, Fachwissen und der unverkrampften Art, mit der er auf Leute zuging, schaffte es Leugger, dass Kraftwerke allmählich bibergängig und Flussufer mehr und mehr biberfreundlich wurden.
Bald auch in der Birs.
Der Biber liess sich nicht lange bitten: Er nahm die Ergolz und den Rhein oberhalb des Kraftwerks Birsfelden wieder in Besitz. Und auch die Wiederbesiedlung der Birs dürfte bald folgen, was Leugger wahrscheinlich noch mehr freuen wird. Denn dieser Fluss gehört ganz besonders zu seinem Leben: Leugger ist im Basler Lehenmattquartier an der Birs aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie in Arlesheim in Birsnähe.
Ein bisschen schade ist nur, dass der 43-Jährige nicht mehr Leiter von «Hallo Biber» sein wird, wenn einmal der erste Biber birsaufwärts schwimmt. Denn Leugger wechselt seine Stelle per Anfang Mai über die Birs und wird Geschäftsleitungsmitglied der Stadtgärtnerei Basel. Wieso dieser abrupte Wechsel vom Biberexperten zum Verwaltungsanfänger? Sind ihm die Biber etwa zuviel geworden? «Nein, ich kann mich nach wie vor voll mit dem Biber-Projekt identifizieren. Aber es läuft in drei Jahren aus, und ich sehe keine Weiterentwicklungsmöglichkeit bei Pro Natura», sagt Leugger. Die neue Stelle sei eine Chance, vermehrt im Managementbereich tätig zu sein und einen ganz andern Betrieb kennenzulernen.
Leuggers Wechsel, obwohl durch sein kürzlich abgeschlossenes Zusatzstudium des betriebswirtschaftlichen Managements für Non-Profit-Organisationen bereits angedeutet, überraschte dennoch alle. Mirjam Würth, Präsidentin von Pro Natura Baselland, schaltete den Computer aus, als sie das entsprechende Mail von Leugger gelesen hatte: «Das kann nicht sein», war ihr erster Gedanke. Aber nachdem sie den Computer wieder eingeschaltet hatte, war die Botschaft immer noch da - und Würth hatte ein Problem. Einen gleichwertigen Ersatz für Leugger zu finden, war sehr schwierig.

Aber auch für Leugger wird der Neuanfang nicht ganz einfach sein. Denn seit seinem Studienabschluss in Biologie und Geografie arbeitete er stets bei Naturschutzorganisationen. Seine Stationen waren: Geschäftsführer des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbands, Projektleiter für Schutzgebiete bei Pro Natura Schweiz und schliesslich Geschäftsführer von «Hallo Biber». Die Biber werden aber schon seiner beiden Kinder wegen Bestandteil seines Lebens bleiben: «Sie haben das ‹Biberfeuer› von mir übernommen und mir immer wieder Äste mit Nagespuren für meine Arbeit besorgt.»
In Urs Leugger brennt aber noch ein anderes Feuer - jenes für die Politik. Seine erste Landratskandidatur im Februar für die Grünen habe «leider nicht ganz geklappt» (Leugger ist erster Nachrückender). Doch die Lust ist ihm damit nicht vergangen. Gut möglich, dass er bald wieder landauf, landab zieht - im Rucksack dann Flugblätter statt Biberschädel.

Siehe auch: Die Birs - Lebensraum für Flora und Fauna (Wanderer)
und: Der Biber soll in der Schweiz wieder mehr Platz erhalten (BaZ)

Die Birs - Lebensraum für Flora und Fauna

Im 19. Jahrhundert wurde die Birs kanalisiert und begradigt, einerseits um den bei Ueberschwemmungen über die Ufer tretenden Wassermassen Einhalt zu gebieten und so Weideland zu gewinnen, und andererseits, um den Bau sicherer Uebergänge für den wachsenden Verkehr zu ermöglichen. Vor zwei Jahren wurde die Birs bei Münchenstein und Arlesheim wieder natürlicher gestaltet. Dort, wo das Wasser eingezwängt in ein Steinkorsett der Mündung entgegen strömte, entstand eine wildromantische Flusslandschaft. Der harte Verbau aus Tonnen schweren Steinblöcken wurde weggerissen, und die Birs erhielt wieder mehr Platz. Sie kann nun wieder schlängeln und Kiesinseln bilden. Die Renaturierung ermöglicht, dass das Wasser der Birs heute mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fliesst. Diese heterogenen Strömungs- und Strukturverhältnisse sind Voraussetzung für die Entwicklung einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt. Von der Renaturierung der Birs profitieren nebst der Pflanzenwelt der Auen auch u.a. Eisvogel, Forelle, Äsche, Prachtlibelle - und auch Biber und Lachs werden in und an der Birs zurückerwartet. Vor 200 Jahren wurde der Biber in der Schweiz ausgerottet; heute leben wieder etwa 400 bis 500 Biber in unserem Land. Der Biber wird über eine Bibertreppe am Wasserkraftwerk Augst durch dieses Tor den Weg in unsere Gewässer finden:
Durchgang-fuer-den-Biber
Die 10-Jahresaktion von Pro Natura Baselland "Hallo Biber" setzt sich für die Rückkehr des Bibers in die Region Basel ein.
Am Samstag, 13. Mai 2006, geht eine Exkursion auf Spurensuche und klärt die Frage, ob der Biber an die Birs zurückgekehrt ist.
Treffpunkt: Nepomukbrücke bei Dornachbrugg, 14.30 bis 17 Uhr.
Eine weitere Biberexkursion findet am Donnerstag, 1. Juni 2006, von 18.05 – 20.15 Uhr statt. Treffpunkt: Haltestelle Elektra Birseck/Münchenstein, Tram Nr. 10, 18.05 Uhr.
Nach diesen Spuren wird Ausschau gehalten (frische Bibernagespuren an der Ergolz):
Biberspur

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